Familie v. Minckwitz

Über die Anfänge des Geschlechtes

„Naer Oostland willen wy ryden,

naer Oostland willen wy mèe,

al over die groene Heiden,

frisch over die Heiden,

dar isser een betere stie.“

Aus „Osterländische Mitteilungen“

Es war ein dünn besiedeltes Gebiet das Osterland, in das Graf Wiprecht von Groitzsch Anfang des 12. Jh. Siedler aus den Mainlanden um Groitzsch, Kloster Pegau, Lausigk und vermutlich auch um Leisnig sesshaft machte. Wiprecht hatte nach dem Aussterben der Eilenburger Wettiner 1123 das Gebiet östlich der Weissen Elster etwa zwischen Landsberg – Delitzsch – Düben – Leipzig Borna – Grimma – Wurzen südlich bis Zeitz und Altenburg als Reichslehen von Kaiser Heinrich V. verliehen bekommen.

Die Annalen vom Kloster Pegau berichten von Wiprechts Anordnung, dass die landfremden Kolonisten den Wald völlig roden und dann das Land im Erbrecht besitzen sollten. Hier wird deutlich, dass das Gebiet östlich von Saale und Elster weitgehend bewaldet d.h. nicht kultiviert war. Man spricht von sogenannten inselartigen Offenlandschaften, außerhalb deren es keine Besiedlung und damit keine Bevölkerung gab. (Schlesinger, Blaschke)

Politisch war das Osterland Reichsgut, ausgenommen das Gebiet des Bischofs von Zeitz (der Sitz wurde übrigens später aus Sicherheitsgründen nach Naumburg verlegt) mit dem Kloster Bosau (alter Name: Posa) und Besitzungen auf der rechten Seite der Weissen Elster.

Die Herrschaft wurde ausgeübt durch Burggrafen, z. B. dem Burggrafen von Leisnig (an der Freiburger Mulde, westl. von Döbeln), den Burggrafen von Colditz und dem von Rochlitz. Unterstützt wurden sie von Reichsministerialen, jenen ursprünglich unfreien Dienstmannen, die als Beauftragte der weltlichen oder kirchlichen Herrschaft überall dort eingesetzt wurden, wo Herrschaft ausgeübt wurde.

So erscheint erstmals im Jahre 1147 in einer Urkunde vom 16. Mai ein Friedrich als Ministerialer des Königs Konrad III. (des ersten Staufer), (Dobenecker, Regesta Bd.VNr. 1579), der wahrscheinlich identisch ist mit dem Friedrich, der mit seinem Bruder Dietrich als „minsteriales regni“ in einer Urkunde von 1166 als Zeuge benannt wird.

Friedrich und Dietrich haben noch einen Bruder Sigeboto, der erstmals am 30. Nov. 1149 mit dem Namen Sygbodo als Ministerialer des Bgf. von Camburg eine Urkunde bezeugt. Auch er ist in der Urkunde von 1166 als Zeuge aufgeführt.
Im Jahr 1168 wird er erstmals mit dem Zusatz „de Mincuiz“ erwähnt.

Hier wird das Problem der Zuordnung ohne Familiennamen deutlich. Die Historiker gehen davon aus, dass der Zusatz eines Nachnamens erst in der Zeit zwischen 1150 und 1170 üblich wird, wobei interessant ist, dass bei Königsurkunden ab Mitte des 12. Jh. so gut wie alle Personen einen Zunamen haben. Bei geistlichen Ausstellern mit „gemischten Zeugenreihen“ dagegen kommt die sog. Namenverfestigung unter den Ministerialen geistlicher Herrschaften nur zögerlich in Gang. Man nimmt an, dass bei weltlichen und kirchlichen Herrschaftsträgern nur ‚höhere“ Ministeriale zu schriftlich fixierten Rechtsgeschäften beigezogen wurden. Das würde für die ersten Minckwitze gelten.
Die Benennung kann nach Allodien, Lehen, Burgmannsitzen oder nur nach dem „Dienstort“ erfolgen. Die rechtliche Qualität dieser ‚Wohnstätten‘ spielt dabei keine Rolle. (Gerlach)

Nach einer anderen Ansicht sollen die oben erwähnten Siedler die Besitzungen nach ihrem eigenen Namen benannt haben. Nach Blaschke hat sich die nicht-wettinische Ministerialität nach ihrem Dienstsitz genannt. Und die frühen Minckwitz waren nicht im Dienst der Wettiner.
Aus diesen widersprüchlichen Ansichten ergibt sich für uns die Frage: wer war eher da, das Dorf Minkwitz oder ein Minckwitz. Doch davon später mehr.

Die Zuordnung von Personen, die nur mit dem Vornamen erwähnt werden, ist sehr schwierig. Man kann das Prinzip der Plausibilität für die Zuordnung anwenden, sofern nicht in der Quelle eine verwandtschaftliche Beziehung aufgezeigt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die Vornamen unterschiedlich geschrieben worden sind. Auch hierfür ist Sigeboto ein gutes Beispiel. Bei Wertung dieser Erkenntnisse erscheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass 1119 eine Minkwitzin in dem Turnier zu Göttingen den Siegerkranz überreicht hat, ebenso ist es unwahrscheinlich, dass in der Hunnenschlacht an der Unstrut 933 ein Min(c)kwitz erwähnt wurde – es sei denn, es hätte sich um einen sehr hochrangigen Vasallen, etwa im Range eines Grafen, gehandelt. Der Phantasie sind hier weit die Tore geöffnet und der Forschung bietet sich noch ein reiches Betätigungsfeld. Dummerweise ist keine narrative Quelle aus dieser frühen Zeit bekannt.
Stützpunkte sind nur die Diplomatica, sprich Urkunden, denen damals eine besondere Bedeutung zukam als Ersatz für den heute üblichen Schriftverkehr. Und diese Urkunden sind bei aller Wichtigkeit trotzdem von sehr unterschiedlicher Qualität, sind sie doch ein Spiegel der Schrift- und Schreibkenntnisse in den Kanzleien. Die Auftraggeber hatten oftmals auch nur sehr dürftige Kenntnisse.

War das Osterland ursprünglich Allodialbesitz der Staufer, so hat später Kaiser Friedrich I. Barbarossa seinen Hausbesitz dem Reich überlassen. Heinrich I. Burggraf von Leisnig war königlicher Amtsträger für das Gebiet, das uns hier interessiert, denn er gründete, wahrscheinlich um 1192, das Kloster Buch als Grablege für seine Familie. Buch wurde mit Zisterziensermönchen besetzt und Reichsabtei. Den Zisterziensern wurde bei Neugründungen, wie Bosau, Pforta, Altzella, Dobrilugk der Vorzug gegeben, da sie einerseits der alten Benedektinerregel treu blieben aber andererseits besonderen Wert auf eigene Handarbeit legten und bald landwirtschaftliche Grossbetriebe unterhielten und vorbildlich in der Wirtschaftsführung waren, was sich in den noch unerschlossenen Kolonisierungsgebieten als praktischer herausgestellt hatte.

Das Kloster erhielt sehr bald umfangreiche Schenkungen und konnte nicht zuletzt deswegen zu einem bedeutenden, für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Gebietes wichtigen, Faktor aufsteigen. König Heinrich VII., der 1235 abgesetzte Staufer, übertrug 1234 dem Mgf. v. Meissen den Schutz des Klosters mit all seinen Besitzungen. Der Burggraf von Leisnig war nicht mehr dafür zuständig, was wohl die Folge eines Niederganges dieser Familie war. Im Jahre 1365 dann erwarben die Mgf. von Meissen den Besitz der Bgf. von Leisnig.
Die Politik des Klosters und seiner Gründerfamilie hatte das Ziel einer wirtschaftlichen Stärkung und Besitz-Arrondierung. Den Abschluss seiner Besitzungen nach Süden hin bildete das Dorf Minkwitz, das 1502 Nickel v. Kötteritzsch dem Kloster mit Genehmigung seiner Lehnsherren verkaufte. (S:K. S.316 f Nr.279 + K. Tomus II Altenburg 1755/ Kopie im Archiv W.)

Schon vor 1192 war das Pauderholz, zu dem das Minkwitz-Städel gehörte, Besitz der Kirche von Leisnig. Durch Bgf. Gerhard v. L. waren unter Anwendung des Eigenkirchenrechts Teile davon an Vasallen verliehen worden. Sein Sohn Siegfried hatte 1211 die Belehnungen bestätigt. Auf Drängen des seinerzeitigen Abtes wurde die Belehnung des letzten Lehnsbesitzer Dietrich I. von Minckwitz (s.a. Urkundenteil) 1217 aufgehoben. (Bettré 1951)
In einer Urkunde aus Assisi nimmt am 02.06.1228 der Papst Gregor IX. das Kloster Buch in seinen Schutz, insbesondere die Klosterhöfe in Buch, Poselitz und Paudritzsch (Puderoz). Im Dezember 1231 spricht Kaiser Friedrich II. in einer Urkunde aus Ravenna den gleichen Schutz aus.
Übrigens konnte der Bischof keine Obedienz vom Abt des Klosters verlangen. (Bettré)

Kommen wir jetzt zu den Dorfnamen „Minkwitz“. Beide Ortsnamen „Minkwitz = Minkovici“ scheinen spätslawisch/frühdeutschen Ursprungs zu sein, entstanden etwa Mitte des 10. Jh. – 13. Jh.

Es scheint also so zu sein, dass das Minkwitz bei Leisnig einen weltlichen Hintergrund und das Minkwitz bei Zeitz einen mehr geistlichen hat. Das würde auch den Hintergrund für die unterschiedliche Entwicklungsgeschichte der Sygeboto- und der Dietrich-Linie abgeben.
In einem umfangreichen Aufsatz von 1981 spricht Gerhard Billig die uns unter dem Namen „Minkwitz-Städl“ geläufige Wall- und Ruinenlage an. Er schreibt von einer hervorragenden Wehranlage „Burgsted oder Burgstadel“ von Minkwitz und identifizieren sie als Burg Mildenstein.
Schriftliche Erwähnungen zu diesem Burgwall, der einem Ringwall ähnelt, fehlen. Billig bemerkt, dass Lesefunde von mittelslawischer Keramik bis in hochmittelalterliche Zeit reichen. Er legt, auch ohne grössere Grabungen, die er allerdings für notwendig hält, um sichere Erkenntnisse zu gewinnen, den Ausbau des Burgsterls in das 12. Jh. und geht davon aus, dass diese Burg als Basis der örtlichen Siedelvorgänge gedient hat. Ihre Zerstörung wurde 1232 urkundlich erwähnt. Ungeklärt bleibt dabei die heutige Existenz der Burg Mildenstein am Nordrand von Leisnig.
Versucht man die einzelnen Bruchstücke gleich einem Puzzle zusammenzusetzen, dann könnte man es wagen zu sagen, dass der Ursprung der Familie bei einem „Mink“ aus sorbischer Zeit liegt, der die Wallanlage und Fluchtburg des Minkwitz-Sterl (M.-Städl) und das Dorf „minkovici“ mit seinen Leuten bewohnt hat. Die „Minks“ müssen bereits vor 1000 n.Chr. eine herausragende Stellung besessen, mit den neuen Herren zusammengearbeitet und deren Religion angenommen haben. Dann ließen sich die Teilnahme an der Hunnenschlacht an der Unstrut 933 und am Turnier in Göttingen erklären. Da spätere Generationen bei der Wiedergabe der mündlichen Überlieferung nur den Familiennamen „von Min(c)kwitz“ kannten, haben sie diesen verwendet und sind gar nicht auf den Gedanken gekommen, historisch-genealogische Überlegungen anzustellen.
Natürlich bleiben die Zusammenhänge aus den schon dargestellten Gründen im Dunklen bis die Gebrüder Sigeboto, Friedrich und Dietrich auftauchen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Minckwitze des 12. – 13. Jh. nicht zu den sog. Kleinen Herrschaftsträgern im Oster- und Pleissenland zählten, wie die Bgf. von Leisnig, Colditz, die von Gnandstein, Kyffhäuser-Mildenburg und Rochlitz, jedoch zu deren Klientel, zu denen beispielsweise die Herren von Erdmannsdorf, von Miltitz gehörten.

Günter H. Wiege, Dezember 1996


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