Adliger Herr mit Strohhut

Rundgang mit Wolfram von Minckwitz

Niederlößnitz


Wolfram von Minckwitz lädt am Sonntag zum Rundgang durch sein Weingut ein. Dabei sind ganz besondere Schätze zu sehen.

VON LILLI VOSTRY

Mit seinem Strohhut und den hellen Hosen wirkt Wolfram von Minckwitz ebenso elegant wie vital. Kaum zu glauben, dass der adlige Herr im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Ein kleines Mädchen sieht ihn staunend an. Die fünfjährige Elisabeth ist die Jüngste in der Besucherrunde im Weinberg. Diesmal ist der Verein für Denkmalpflege und neues Bauen Radebeul zu Gast bei der Führung im Minckwitzschen Weingut. „Elisabeth wollte mal einen echten Prinzen sehen“, sagt ihre Mutter schmunzelnd. Wolfram von Minckwitz hat tatsächlich adlige Vorfahren. Die dokumentierte Familiengeschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Da darf das Familienwappen nicht fehlen. Das Sandstein-Kunstwerk ziert die Hauswand am Anbau seiner Wohnung.

Dass er einmal Besitzer eines Weingutes sein würde, wäre Wolfram von Minckwitz früher nicht im Traum eingefallen. Doch dass das originalgetreu sanierte Anwesen auf der Oberen Bergstraße in der Niederlößnitz jetzt 300 jähriges Bestehen feiern kann, ist auch ihm zu verdanken. Zum Jubiläum des Weingutes lädt der Hausherr am Sonntag von 14 bis 18 Uhr interessierte Besucher ein. Dann öffnen sich die blauen Tore des Gebäudeensembles mit den beiden Pavillons im wieder aufgerebten Weinberg. Und Wolfram von Minckwitz bittet zu Führungen durch die Geschichte des Weingutes und zur heutigen Nutzung. Oben im Berg lockt eine herrliche Aussicht bis weit ins Elbtal. Unter den hohen alten Bäumen am restaurierten Minckwitzschen Weinberghaus gibt es Kaffee und Kuchen und natürlich, Wein von einheimischen Winzern.

Das Weinbergensemble samt seinen Bauwerken entstand zwischen 1713 und 1729. An den Erbauer Dr. Caspar Christian Kober, der Advokat am Dresdner Hof war, erinnern noch heute die Initialen DCCK mit der Jahreszahl auf der Wetterfahne des kleinen Pavillons und an der Toreinfahrt zum Weinberg. Familie von. Minckwitz erwarb das Grundstück 1853. Die Ehefrau eines der Besitzer, Elisabeth vom Minckwitz, geborene Gräfin zu Münster, verschenkte den Besitz 1952 kurz vor ihrem Tod an die Eltern von Wolfram von Minckwitz. Sie waren als einzige Familienangehörige in der DDR geblieben und aus Thüringen nach Radebeul übergesiedelt. Und vererbten das Anwesen an ihn und seine Schwester mit ihrer Familie, die je eine Gebäudehälfte auf dem Weingut bewohnen.

„Das Weinberghaus wäre eine Ruine, wenn ich mich nicht darum gekümmert hätte“, sagt Wolfram von Minckwitz, der viele Jahre im Institut Manfred von Ardenne in Dresden tätig war. Mitte der 1980er- Jahre begann sein Kampf, um das 1729 als Lusthaus errichtete Gebäude vor dem Verfall zu retten. Gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Frau bemühte er sich er sich um die Instandsetzung. Rund 150 000 D-Mark kostete die Wiederherrichtung des Weinberghauses, einen Teil der Kosten trug die Denkmalpflege.

Für sein Engagement wurde von Minckwitz 1997 mit dem Bauherrenpreis der Stadt Radebeul ausgezeichnet. Als Berater stand ihm bei der Restaurierung ein Architekt zur Seite, Volker Röhricht. Er wohnt in einem selbst sanierten Seitengebäude des Weingutes und hat dort auch sein Büro. Darunter befindet sich der größte Weinkeller der Niederlößnitz, zu dem Röhricht nächstes Jahr wieder einen Zugang herstellen will.

Wer das Weingut betritt, kommt durch ein blühendes Reich mit Terrassen und Parkanlage, vorbei an uralten Bäumen und an Weinstöcken. Einen großen Teil davon bewirtschaftet die Winzergenossenschaft Meißen. Zum Minckwitzschen Weinberghaus geht es rund 200 Stufen hinauf. Breite Freitreppen führen zum Gelände und zum Saal, in dem auch Gemälde des einheimischen Malers Steffen Gröbner zu sehen und zu erwerben sind.

Nicht nur wegen der Malerei kommen Besucher hierher. Das Haus wird auch vermietet für gepflegte Familienfeiern wie Geburtstage und Silberhochzeiten. Und für weitere Kunstereignisse genutzt. So reichten die Plätze kaum aus bei einer musikalischen Lesung zum Werk der galizisch-jüdischen Dichterin Mascha Kaleko mit der Künstlerin Ursula Kurze. „Der Raum mit seiner schönen Umgebung wird gut angenommen“ sagt Wolfram von Minckwitz. Hinter dem Weinberghaus hat er selbst 70 Rebstöcke – Grauburgunder – angebaut und bereits ein Zertifikat zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln für den Weinanbau erworben. Künftig möchte er die Besenwirtschaft am Weinberghaus selbst übernehmen, sagt Wolfram von Minckwitz.

Jetzt aber hofft er erst einmal am kommenden Sonntag auf viele Besucher. Und lüftet schon mal den Strohhut zur Begrüßung.

Die Besenwirtschaft im Minckwitzschen Weinberg, erreichbar über die Finstere Gasse 5, hat jeweils bei schönem Wetter bis 3. Oktober mittwochs von 17 bis 21 Uhr geöffnet.

Veröffentlichung des Berichtes vom Donnerstag, 22. August 2013 mit Genehmigung der „Sächsische Zeitung“ – Stadt Radebeul – und der Autorin Lilly Vostry

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