Stuckwerkstatt Schloß Trebsen

Das Schloß Trebsen,
gebaut von Hans III v. Minckwitz

Jugend und Umwelt – Frankfurter Allgemeine Zeitung – 14.04.2003, Nr. 88, S. 44
In einem Sonderdruck der F.A.Z., geschrieben von polnischen Jugendlichen. (Veröffentlicht mit Genehmigung der FAZ.)

Im Rittersaal ist jetzt die Stuckwerkstatt

Im Schloß Trebsen bei Grimma werden Handwerker weitergebildet/DBU-Förderung.

Das Schloß Trebsen – unweit des sächsischen Grimma gelegen – macht nur von außen und auf den ersten Blick keinen besonders gepflegten Eindruck. Graue Gebäude, wenig Grün – das Jahrhunderthochwasser der Mulde hat seine Spuren hinterlassen. „Von 1161 an war hier der Rittersitz von Heinrich I. zu Trebsen. Anschließend wechselten über die Jahrhunderte mehrfach die Besitzer. Zu den letzten Eigentümern gehörte die Familie von Zimmermann, die im Jahr 1945 das Schloß verlassen mußte“, sagt Uwe Bielefeld Geschäftsführer des Fördervereins für Handwerk und Denkmalpflege Schloß Trebsen. „Am Ende des Zweiten Weltkriegs plünderten Amerikaner und Russen das Anwesen. Bis 1948 fanden hier Umsiedler und Vertriebene eine Unterkunft. Zu DDR-Zeiten und noch bis 1992 wohnten im Schloß 16 Familien zur Miete. Auch befanden sich dort ein Feuerwehrdepot und eine Heimatstube.“

Heute ist die Stadt Trebsen der Besitzer. Den Unterhalt bestreitet der Förderverein nicht nur durch kulturelle Ereignisse und Bildungsveranstaltungen. Vielmehr betreibt er das Schloß als Internat für Lehrlinge, als Herberge für Wanderer und fungiert als Hausherr für verschiedene Einrichtungen der Handwerkskammer zu Leipzig, unter ihnen Werkstätten und das 1995 mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und Umweltzentrum. Wie Klaus Sühnel, Leiter des Umweltzentrums, sagt, berät die Einrichtung unentgeltlich zu allen Fragen des Umweltschutzes sowie des Energiesparens und veranstaltet in den Räumen des Schlosses zahlreiche Schulungen für Handwerker, unter denen sich auch polnische Gäste befanden. In den Werkstätten im Schloß erfolgt die Weiterbildung der Handwerker auf dem Gebiet der Denkmalpflege beider Länder, damit sie die traditionellen Techniken der Restaurierung an Denkmälern ausführen können.

Die Malerwerkstatt befindet sich im ehemaligen Kuhstall, die Stuckwerkstatt im früheren Rittersaal. Wir treffen auf Cornelius Hugh, Auszubildender aus Dresden. Er traf die Entscheidung, sich zukünftig mit Leib und Seele der Fachrichtung „Restaurator im Handwerk“ zu widmen, weil ihn die alten Techniken faszinieren. Sein Vater ist Malermeister, und Cornelius erhält hier eine ergänzende Ausbildung. Das Ergebnis der Entwürfe kann man in einer Ausstellung bewundern. Dort befindet sich auch eine beeindruckende Figurensammlung aus Zinn, die Szenen aus dem Mittelalter darstellt.

Auf dem Hof des Ritterguts ist Gelegenheit, eine Putzfibel mitsamt Putzwerkstatt zu besichtigen. Es gibt 38 Beispiele zu sehen, die historische Putzstrukturen vom Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts darstellen. Restaurator im Handwerk Bernd Bubnick zeigt uns die früheste Form – darunter zum Beispiel Pieta rasa aus dem 11. Jahrhundert und altdeutschen Kellenziehputz vom Anfang des l3. Jahrhunderts.

Aleksandra Skarupska, Joanna Serweta, Pawel Zablocki, Lukasz Bosak, Adam Bednarek

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